W nowinach: Šansa za miliardowy projekt we Łužicy přiběra

W nowinach: Šansa za miliardowy projekt we Łužicy přiběra
15. junija 2026

W nowinach: Šansa za miliardowy projekt we Łužicy přiběra

Nowiny

Z artiklom rozprawi nowina Lausitzer Rundschau 15. junija 2025 wo aktualnych přepytowanjach w ramiku studije wuwjedźomnosće za Einsteinowy teleskop we Łužicy. W slědowacym nadeńdźeće originalny artikl w němskej rěči.

Neben dem Bohrturm stapeln sich meterlange Granitkerne. Aus über hundert Metern Tiefe wurden sie ans Tageslicht geholt. Während sich die Bohrkrone in den Lausitzer Untergrund frisst, blicken die beiden Wissenschaftler, Astroteilchenphysiker Professor Christian Stegmann und Geophysiker Professor Andreas Rietbrock, zufrieden auf die Gesteinsproben. „Momentan sieht es sehr, sehr gut aus“, sagen sie an der Bohrstelle bei Naußlitz in der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal. Die Einschätzung hat Gewicht. Seit rund zweieinhalb Jahren untersuchen Forscher den Lausitzer Granitstock auf seine Eignung für das Einstein-Teleskop – eines der größten Wissenschaftsprojekte Europas. Nach inzwischen sieben Bohrungen sehen sie die Lausitz im Wettbewerb um den Milliardenstandort nicht mehr als Nachzügler. Die Region habe ihren Rückstand aufgeholt und befinde sich inzwischen auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern.

 

Es ist die insgesamt siebte Tiefenbohrung zur Untersuchung des Lausitzer Granitstocks. Seit rund zweieinhalb Jahren sammeln Wissenschaftler Daten, um herauszufinden, ob die Region die geologischen Voraussetzungen für eines der größten Forschungsprojekte Europas erfüllt. Die bisherigen Ergebnisse stimmen die Forscher optimistisch. „Im Grundsatz ist es ein homogener Gesteinsblock“, sagte Professor Rietbrock. Genau das ist für das geplante Einstein-Teleskop von entscheidender Bedeutung. Die Anlage soll künftig winzigste Gravitationswellen messen. Dafür muss der Untergrund möglichst ruhig und frei von Störungen sein.


Während in den anderen Bewerberregionen bereits seit rund sieben Jahren Untersuchungen laufen, musste die Lausitz in vergleichsweise kurzer Zeit aufholen. Nach Einschätzung der Wissenschaftler ist das gelungen. Die Chancen der Region würden „immer besser“, hieß es. Lausitz und Sardinien treten dabei mit einem gemeinsamen Konzept an. Dem gegenüber steht die Bewerbung der Euregio Maas-Rhein im Grenzgebiet von Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Über den künftigen Standort soll auf europäischer Ebene entschieden werden.


Für die aktuelle Bohrung bei Naußlitz geht es nicht darum, grundlegend neue Erkenntnisse zu gewinnen. Vielmehr soll das Bild des Untergrunds vervollständigt werden. „Wir müssen in der Fläche kartieren“, erklärte Rietbrock. Die Wissenschaftler untersuchen dabei, ob der Granit überall die gewünschten Eigenschaften aufweist. Gesucht wird möglichst homogenes Gestein ohne größere Bruchzonen oder wasserführende Bereiche. Klüfte, durch die größere Mengen Wasser eindringen könnten, wären problematisch. Nach Angaben der Forscher wurden bislang ausschließlich kompakte Gesteinsstrukturen gefunden. Der Lausitzer Granitstock erstreckt sich über viele Kilometer und gilt als außergewöhnlich stabil. Die bisherigen Bohrungen hätten keine Hinweise auf geologische Probleme ergeben, die gegen den Bau eines unterirdischen Observatoriums sprechen würden.


Die Dimensionen sind enorm. Vorgesehen sind zwei L-förmige Tunnelanlagen – eine in der Lausitz, eine auf Sardinien. Jeder Schenkel soll 15 Kilometer lang werden und rund 250 Meter tief im Granit verlaufen. Die Tunnel hätten einen Innendurchmesser von etwa sechs Metern, vergleichbar mit der Breite einer Bundesstraße. Insgesamt würden so rund 60 Kilometer unterirdische Tunnel entstehen. Trotz der Größe könnten Landwirtschaft, Straßen und Ortschaften über den Tunneln erhalten bleiben. Sichtbar wären lediglich die Zugänge.


Die aktuelle Bohrung in Naußlitz markiert zugleich das Ende einer ersten Untersuchungsphase. Zwei bis drei weitere Bohrungen sollen noch folgen. Dabei geht es um mögliche Standorte für die Messkammern. In diesen künstlichen Hohlräumen würden später die hochempfindlichen Messinstrumente untergebracht. Parallel wird derzeit eine Tunnelstudie erarbeitet. Sie soll klären, welche Kosten entstehen würden. Fest steht, dass sich das Vorhaben im Milliardenbereich bewegt. Fällt die Standortentscheidung zugunsten der Lausitz, müsste Deutschland die Finanzierung für die Tunnel übernehmen. Bei der Bewertung der Standorte spielen nach Angaben der Forscher vier zentrale Fragen eine Rolle: Ist der Untergrund ruhig genug? Ist das Projekt technisch und finanziell umsetzbar? Bleiben die Bedingungen über Jahrzehnte stabil? Und steht die Politik hinter dem Vorhaben?


Gerade der langfristige Betrieb spielt eine wichtige Rolle. Nach den derzeitigen Vorstellungen könnte das Einstein-Teleskop 50 bis 80 Jahre lang genutzt werden. Die Wissenschaftler erwarten deshalb nicht nur einen einmaligen Baueffekt, sondern langfristige Impulse für Forschung und Wirtschaft. Für den Bau der Tunnelanlagen könnten rund 1000 Arbeitsplätze entstehen. Für den späteren Betrieb werden etwa 300 Beschäftigte benötigt. Neue Lasersysteme, Spiegeltechnologien und Vakuumanlagen müssten zudem über Jahrzehnte weiterentwickelt werden. Die Projektverantwortlichen rechnen deshalb mit weiteren Ansiedlungen in der Region.
 

Professor Christian Stegmann sieht darin eine große Chance für die Lausitz. Das Einstein-Teleskop sei ein europäisches, wissenschaftliches Leuchtturmprojekt. Die größten wirtschaftlichen Effekte erwartet er während der Bauphase. „Den Strukturwandel machen wir in der Bauzeit“, so Stegmann. Rund um die Anlage könnten sich zudem weitere technologieorientierte Unternehmen ansiedeln. Entsprechend selbstbewusst fällt die Einschätzung der Wissenschaftler zum Wettbewerb aus. „Wir spielen Champions League. Wir spielen auf Augenhöhe mit den Besten Europas. Wir wollen ein faires Spiel, und natürlich gewinnen“, sagte Stegmann. Ob die Lausitz am Ende den Zuschlag erhält, entscheidet sich Mitte 2027.